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Interview mit Ville Valo
(Bravo 5/2000)
Es ist zehn Uhr morgens. Für HIM-Frontmann Ville Valo (23) verdammt früh. Mit verschlafenen Augen sitzt er im Kölner Hotel Chelsea am Frühstückstisch, nimmt einen Schluck Kaffee und stochert lustlos in seinen Rühreiern herum. "Ich habe in den vergangenen Tagen nie mehr als vier bis fünf Stunden Schlaf gehabt. Ein Interviewtermin jagt den nächsten", erzählt der Sänger mit tiefer, verrauchter Stimme. "Aber ich habe mir immer gewünscht, ganz oben zu stehen. Und dafür verzichte ich natürlich gerne."
BRAVO: Mit "Join me in Death" habt ihr euern ersten Nr.1-Hit gelandet. Der Song ist auch auf dem Soundtrack zum Film "The 13th Floor" vertreten. Habt ihr ihn extra für den Film geschrieben? VILLE:"Nein. Unsere Plattenfirma hatte das Angebot für einen Soundtrack-Song. Einer der Bosse fragte uns, ob wir nicht "Join me in Death" dafür hergeben wollten. Klar, dass wir sofort zusagten."
BRAVO: Habt ihr euch den Film vorher angeschaut? VILLE:"Nein. Die Leute in der Firma sagten uns, dass er ganz gut wäre. Das reichte. Wir waren zu der Zeit gerade mit den Aufnahmen für unser aktuelles Album "Razorblade Romance" beschäftigt. Ich wollte deshalb nicht irgendwo hinfliegen, nur um mir den Film vorab anzusehen."
BRAVO: Welche Art von Filmen siehst du privat gerne? VILLE:"Ich stehe auf witzige Us-Komödien wie "Die nackte Kanone" oder "Solo für zwei"."
BRAVO: Kaum zu glauben, wenn man euren Düstersound hört. Warum klingt eure Musik eigentlich so schwermütig? VILLE:"Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir in Finnland solche langen, harten Winter haben, da ist es viel länger dunkel als bei euch. So etwas drückt aufs Gemüt. Wenn ich dieses Gefühl in meinen Songs verarbeite, bin ich danach gut drauf, denn ich lache gerne und oft."
BRAVO: Ihr nennt euch HIM- "His infernal Majesty" ( Seine teuflische Majestät ). In deinen Texten kommt oft das Wort "Tod" vor. Beschäftigst du dich privat mit Okkultismus? VILLE:"Überhaupt nicht. Ich habe noch kein einziges Buch darüber gelesen und halte die ganze Sache für Hokuspokus. Das einzige düstere in meinem Leben ist, dass ich ein wahnsinniger Fan der Kult-Gruppe Black Sabbath bin. Zu dem Zeitpunkt, als wir uns einen Namen suchen mussten, dachte ich, dass sich etwas Mystisches ganz gut anhören würde. Aber es gibt keinen okkultistischen Hintergrund. Ich bin nicht einmal religiös. Ich glaube ienfach nur an unsere Musik."
BRAVO: Wovon handeln eure Songs? VILLE: (grinst) "Girls, Girls, Girls! Ich habe noch nie über was anderes als über die Liebe und hübsche Frauen geschrieben. "Join me in Death" ist einfach eine moderne Version von "Romeo und Julia", eine unglückliche Liebesromanze."
BRAVO: Was bedeutet das riesige Tattoo auf deinem rechten Arm? VILLE: (lacht) "Das ist sowas wie ein Unfall und bedeutet, dass man nie zu viel trinken sollte. Denn ein Kumpel, der ein Tattoostudio besitzt, hat mich auf einer Party gefragt, ob ich mich nicht tätowieren lassen wolle. Ich war schon ziemlich betrunken und sagte einfach ja. Am nächsten Tag habe ich mich nicht mehr getraut einen Rüchzieher zu machen. Das war vor knapp einem Jahr und ich habe mich immer noch nicht richtig daran gewöhnt."
BRAVO: Hast du beruflich jemals etwas anderes als Musik gemacht? VILLE:"Nein. Mir war schon immer klar, dass ich Musiker werden will. Ich hatte noch nie einen anderen Job. Das einzige, was ich vorher mal getan habe, war, im Laden meines Vaters auszuhelfen. Er ist Besitzer eines Sexshops."
BRAVO: Er hat einen Sexshop?! VILLE:"Ja. Für mich ist das aber nichts Besonderes, ich bin ja damit aufgewachsen. Nur meine Schulkollegen hatten manchmal Probleme damit: Sie wollten mich ständig besuchen, aber ihre Eltern haben ihnen das verboten."
BRAVO: Haben dich deine Eltern bei deiner Karriere unterstützt? VILLE:"Oh ja! Obwohl mein Vater überhaupt nicht musikalisch ist, war es ihm immer wichtig, dass ich Gitarre übe. Ich durfte erst raus auf die Straße, wenn ich meine Übungen gemacht hatte. Er ist sehr stolz auf mich und verkauft sogar unsere Cds im Laden- zwischen Sexheftchen und Videos (lacht)."BRAVO: In einem früheren Interview hast du mal behauptet, dass HIM ein Soloprojekt ist. Stimmt das? VILLE:"Nicht ganz. HIM ist eine Band und ich bin der Frontmann. Ich singe und schreibe die Songs. Gemeinsam mit Migé, dem Bassisten, habe ich vor vielen Jahren eine Schülerband gegründet. Alle HIM-Musiker sind Kumpels, die ich aus Helsinki kenne. Das ist für mich sehr wichtig. Da wir uns alle gut kennen und verstehen, müssen wir uns nicht erst miteinander arrangieren, sondern können uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren."
BRAVO: Hast du eine feste Freundin? VILLE:"Nein, leider nicht. Ich bin momentan solo und lebe allein in einer kleinen Wohnung in Helsinki. Aber wenn ich die Richtige treffen sollte, wäre es mir egal, dass ich ständig auf Achse bin. Ich würde es einfach ausprobieren und auf ihre Toleranz hoffen. Denn obwohl ich hin und wieder einen One-Night-Stand habe, bin ich im Grunde ein Beziehungstyp."
BRAVO: Wann kommt ihr endlich mal wieder nach Deutschland? VILLE:"Wir starten unsere Tour am 22.03. in Dortmund. Doch schon am 12.02. geben wir unseren Fans bei der BRAVO SUPERSHOW in Köln eine kleine Kostprobe!"
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